Dienstag, 20. März 2012

einsichten

ein kopf so dick wie dieser hier
verbohrt, verblendet, schier
auf sich bezogen, unbelehrbar
derweilen sogar unumkehrbar
verlangt nach einem meister der
trotz weisheit und geduld'gem wesen
dem sprössling kann leviten lesen
und beizeiten sich nicht scheut
ihm eins zu scheppern das es bleut

doch einsicht lässt sich nicht erzwingen
solch wunder kann nur die zeit vollbringen

Sonntag, 27. November 2011

eine bachelorarbeit über ein etwas anderes leben

offene haustüren, bröckelnder putz, sofas im treppenhaus, farben aus einer anderen zeit, es riecht nacht holz und kohle und kuscheliger ofenwärme, schlüssel werden an kleinen fallschirmen aus dem fenster geworfen...und die menschen haben noch zeit. für einen tee, eine wohnungsführung, einen kuchen, eine zigarette,ein interview mit einer studentin, die ganz plötzlich vor ihrer tür steht!
Inga ist auf tour um unsanierte häuser und deren bewohner aufzuspüren und für ihre bachelorarbeit zu befragen. Das thema lautet "Wohnen im unsanierten und teilsanierten Baubestand in Leipzig - notwendiges Übel oder bewusst gewählter Lebensstil?"
Denn es gibt sie tatsächlich noch, die menschen die täglich Kohle und Holz aus dem keller heraufschleppen, zur toilette aus der wohnung heraus ins treppenhaus müssen und ihre badewanne oder dusche in der küche stehen haben.
man kann sich schon vorstellen das dies oft sehr abgefahrene und inspirierende gestalten sind! nicht selten saß ich malern, schauspielern, musikern und lebenskünstlern gegenüber die mich so faszinierten, das ich gerne ein bisschen länger blieb.. aber auch die rentner, die jungen schleußiger hipster- familien und chaoten-wgs, alle hatten ihre geschichten zu erzählen, und wenn nich sie dann auf jedenfall ihre wohnungen. oft in eigenarbeit saniert und kreativ gestaltet oder einfach nur charmant heruntergekommen. was für ein privileg einfach in anderer leute leben schauen zu dürfen! und erstaunlich wie offen die meisten menschen waren vor deren tür ich einfach auftauchte.
gestern habe ich das letzte (das 55ste) interview geführt, und dieses hat nochmal einiges getoppt. ich war nicht nur stunden dort, sondern habe auch noch ne kiste mit schönen und nützlichen haushaltsgegenständen mitnehmen dürfen, und gelernt: ein leben in dem tauschhandel und nächstenliebe radikal praktiziert werden ist auch in unserer kapitalistischen gesellschaft durchaus möglich!!
und mit all diesen schönen eindrücken und bildern der wohnungen vor augen überkommt mich ein gefühl der reue, der verpassten chancen. denn in welcher deutschen stadt kann man noch so gut unsaniert und ursprünglich in echten hausgemeinschaften leben.. für 2, 20 pro m²..!!? und ich bin schon über 4 jahre hier und habe meine chance nicht genutzt.
der wandel verläuft immer rapider. ein haus nach dem anderen wird totsaniert ( allein um mein haus herum werden grad 3 leerstehende nachbarhäuser saniert) und bald wird es auch in leipzig alternative lebensformen wie diese kaum noch geben! das es für solche immobilien durchaus eine nachfrage auf dem markt gibt, scheint viele eigentümer nicht zu kümmern.. mal wieder regiert das geld und nicht das wohlbefinden der jeweiligen mieter!
im folgenden ein paar bilder die leider kaum die wirkliche atmosphäre und die vergessenen farben widerzuspiegeln vermögen.












Sonntag, 28. August 2011

der kreis des lebens

so oft fehlt der blick fürs ganze. ich sitze in meiner kleinen eigenen welt, entscheide nach spontanem belieben, schaue bis morgen oder vielleicht mal bis übermorgen. werde zwar älter, aber meine dennoch mein ganzes leben noch vor mir zu haben. geburt, tod, ewigkeit sind vor allem worte.
ein neues gefühl für die endlichkeit und schönheit dieses lebens, bekam ich letzte woche am grab meiner oma. ein gesegnetes leben in gottes gegenwart nahm friedlich sein ende. und gleich neben dem offenen grab wurde ein junges paar zum nachwuchs (also einem urenkel meiner oma) beglückwünscht. wo ein leben endet, beginnt das nächste.
keine 24-stunden später war ich am anderen ende deutschlands teil eines weiteren lebensprägenden und -spendenden moments: eine wunderschöne hochzeit.
all dies hat mich mit viel nachdenklichkeit und auch unglaublicher herzens- und zukunftsfreude erfüllt. und ich wage den gedanklichen sprung in die zukunft, und frage mich: was wird bleiben? was macht mich und mein leben aus? was werden menschen, die meine wege kreuzen mitnehmen?
das fiktive zurückschauen lohnt sich. es verändert den blick aufs hier und jetzt.

Sonntag, 5. September 2010

musik, bier und bahnfahren

ich weiss. diese seite hat einige informationslose und einschläfernde monate hinter sich. das bedeutet nicht, dass ich nix zu schreiben hatte, eher im gegenteil, irgendwann wusste ich einfach nicht mehr: wo anfangen? heute möchte ich einen versuch wagen, auch wenn daraus mal wieder nur ein grober abriss des erlebten hervorgeht und viele geschichten und details unter den tisch fallen werden..
mitten drin bin ich, in den vorerst letzten semesterferien des bachelorstudienganges. Ich hatte mir vorgenommen noch einmal so richtig die zeit zu nutzen und rumzutouren. dann aber verebbte der ohnehin schon mickrige bafög-segen und nahm meinen vorhaben den wind aus den segeln. aber eine völlig unerwartete erasmus- nachzahlung brachte dann doch noch einmal etwas finanziellen aufwind. Nichtsdestotrotz habe ich den größten teil der letzten wochen in leipzig verbracht. richtig schön. mein erster sommer in leipzig. kleine touren durch deutschland wie u.a. ein wochenende in stuttgart und böblingen mit anika und luisa bei gesina oder eine tolle smd- freizeit im thüringer wald gemeinsam mit den gruppen aus ilmenau und jena waren schöne kleine highlights.

letzten mittwoch habe ich es nach ganzen drei jahren in leipzig endlich mal ins benachbarte dresden geschafft, welches mich zwar nich völlig von den socken gehauen hat, aber dank der neustadt immer noch ein ernstzunehmender ort für einen master wäre! meine begleitung für diesen kleinen verregneten trip war diese junge dame namens aukje ;-)



eine weitere premiere durfte ich 2 wochen zuvor erleben: mein erstes richtiges festival! mit dem berliner bassti, der sich für ein paar wochen auf praxisphase in leipzig befand, beschloss ich recht spontan an den Störmthaler see aufs highfield- festival zu fahren. Es folgten 3 tage mit viel musik, bier und 20.000 bekloppten! ;-) wir hatten uns dem freund meiner mitbewohnerin und seinen 20 leuten, allesamt alte festivalhasen= entspannt, angeschlossen, die sonne strahlte, die kalten raviolis aus der dose waren top, einige bands wie karamelo santo und am ende fettes brot im strömenden regen waren einfach genial! -> ein paar tolle, fast surreale tage!

was gibts noch so? meine häusliche instrumentensammlung hat zuwachs bekommen: mein neues stage-piano von korg lässt gitarre, cajon mundharmonika und co sich über fehlende zuwendung beklagen.. aber bei nächtlichen jam-sessions kommen sie dann doch gelegentlich alle mal zum einsatz :)
Um die, u.a. durchs klavier entstandenen, finanziellen krater zu verkleinern habe ich seit einer woche einen job als kellnerin in einem ungarischen restaurant. bis jetzt war ich meist die frau an der bar, das klassische kellnern kommt noch. aber ein gutes gefühl geld zu verdienen und es ist einfach schön die kollegen untereinander ungarisch sprechen zu hören!
morgen fahr ich endlich mal wieder nach hamburg, vor allem auch um meine kleine nichte hanna zu sehen! genau, ich bin tante geworden :-)
hoffe auch das ich mich bei meinen eltern wieder ein bischen neu sortieren kann. die letzten monate waren in vielerlei hinsicht schon arg intensiv und ohne jegliche struktur. jetzt heisst es wieder runterkommen, reflektieren und meine bindehautentzündung auskurieren..

Montag, 5. Juli 2010

Fußball (nebst Abart und Ausartung)

am letzten freitag, im sofa chillend, auf einer Ringelnatzlesung im Westwerk
gehört:

Der Fußballwahn ist eine Krank-
Heit, aber selten, Gott sei Dank.
Ich kenne wen, der litt akut
An Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
In Kugelform und ähnlich fand,
So trat er zu und stieß mit Kraft
Ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
Ein Käse, Globus oder Igel,
Ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
Ein Kegelball, ein Kissen war,
Und wem der Gegenstand gehörte,
Das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
Bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
Stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
Der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
Nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
Noch Puffer außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8.
Und übte weiter frisch, fromm, frei
Mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
Gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
Der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
Was er jedoch als Mann von Stand
Aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
Dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
Kommt einer Schlacht von Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
Durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
An blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigeb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokusnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
Griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Bootsmine
Besann er sich auf die Lawine.
Doch als Pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
Sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft.
Verschollen. Hat sich selbst verpufft.-
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
Vor dem Gebrauch des Fußballwahns!

Joachim Ringelnatz

Sonntag, 30. Mai 2010

troy

wenn enttäuschungen krater schlagen

in des herzens wände

und menschen tiefe gruben graben

mit rückweisung kalter hände

wenn löcher zurückbleiben

und welt und leben narben schreiben

-

kommst du daher, ziehst wieder ein

hauptbewohner meines herzen

breitest dich aus, lässt licht herein

nimmst der dunklen ecken schmerzen

erfüllst mich wieder neu

denn jesus DU bist treu

!!!

mehr oder weniger alltag

abgesehen von ein paar highlights und gefühlsverirrungen und -wirrungen nimmt mein leben einen gewohnten, aber dennoch ganz und garnicht langweiligen, gang an.

neu ist:

- ich habe übers studentenwerk spontan nen job inner buchbinderei und druckerei bekommen!! hab schon zweimal frühschicht von 6.00 bis 14.00 geschoben. das heisst 4 uhr aufstehen und da ich normalerweise um diese zeit ungefähr ins bett gehe, habe ich natürlich vorher nich viel schlaf bekommen und war nachher umso groggier. ist aber ein schönes gefühl geld zu verdienen! ist zwar schlecht bezahlt aber im moment brauch ich jeden euro... ausserdem kriegt man in so einem job mal `contact to the people` :-)

- letzte woche war erhebungswoche des anthropogeographischen forschungsprojektes. dort untersuchen wir für das regional-management des muldenlandes die möglichkeiten des wasser- und radtourismus auf und an der mulde. dazu haben wir in kleinen gruppen tagestouren mit dem rad oder boot gemacht und haben alle dinge kartiert, die für den tourismus von bedeutung sein könnten, also rastplätze, sehenswürdigkeiten, anlegestellen etc. ausserdem habe ich 2 tage im hauseigenen und höchst modernen medienlabor verbracht um telefoninterviews mit gastgewerben an der mulde zu führen. dies kostete zunächst einige überwindung, nach dem ersten etwa 20 minütigem interview mit einem sypathischen herren war diese allerdings überwunden und es fing an richtig spass zu machen! und ich bekam wiederholt lob von der dozentin (u.A. weil ich die endfassung für den fragebogen allein für die gesamte gruppe ausgearbeitet und gelayoutet habe!!) fazit: über den eigenen schatten springen lohnt sich!!

- ich muss unbedingt mit meiner hausarbeit über das kaiserzeitliche urnengräberfeld in kemnitz bei potsdam anfangen. problem: so richtig dicke ist das nich mit der literatur...

ps: wollt heute eigentlich auch ein paar neue bilder posten.. habe gestern nacht auf dem ball der hmt (hochschule für musik und theater) in geistiger umnachtung aber alle bilder auf meiner kamera gelöscht.. wiederherstellung ist dank anja (gruss und kuss) in arbeit!!