Montag, 11. Juni 2012

gelachtes und geschossenes

inmitten des gewöhnlichen chaoses meines lebens, zwischen wg-auflösung, umzug und jobwechsel, habe ich mich mit einem befreundeten fotographen ins fotostudio getraut. vor ein paar jahren wohl noch undenkbar. herausgekommen sind unzählige schöne und lustige fotos. eine kleine auswahl möchte ich euch hier zeigen:

 















 















 















 















 
































                                                                                                      






Donnerstag, 17. Mai 2012

das flowerpower-phänomen

Früh am morgen, wenn andere kneipen ihre kundschaft bereits vor die tür gesetzt haben und auf den meisten tanzflächen der stadt schon das letzte bein geschwungen wurde, versammelt sich das absturzwütige leipziger partyvolk in einem kleinen laden namens flowerpower. 

Schon von weitem ist eine menschentraube vor dem eingang zu erkennen, vor allem weil davor Andre der hexer bis morgens hinter seinem grill steht. Das es zu dieser uhrzeit nur noch hier bockwurst und grillkäse gibt, weiss so ziemlich jeder leipziger nachtschwärmer.

Mit dem schritt durch die kleine tür und einen schweren vorhang betritt der gast eine zeitlose parallelwelt, nicht wissend wann und vor allem wie er wieder herauskommen wird. Es ist schummrig und stickig und der überladene kleine raum ist voll mit menschen. Die decke ist abgehangen mit stoffbahnen aus denen sonnenblumen hervorwachsen und auch die tische haben blumenformen, während die hocker kleine pilze zu sein scheinen. Alte pinnball-tische sind in eine wand eingelassen, gegenüber posiert ein lebensgroßer gemalter jimmy hendrix zwischen zwei nackten schönheiten. Die bar ist, ähnlich wie der rest des raumes, überfüllt mit kram und ausgefallenen dekorationen: über der bar blubbern reagenzgläser vor sich hin und quer durch den raum ist ein seil gespannt an dem ununterbrochen eine kleine kuh hin- und her gezogen wird. 

Einmal nen schönen platz gefunden setzt die akklimatisation ein und durch das gedämpfte licht der ebenfalls mit stoffen behangenen lampen und den zigarettenrauch erspäht das auge bemerkenswerte gestalten. Metall-heads und hippies, vorstädter und verschrobene Hartz IV empfänger. Hier tummelt sich alles vom student bis zu gescheiterten existenzen und exzentrischen lebemännern und -frauen in ihren 20ern bis 40ern. Häufig sind, normalerweise selten aufzufindende, accesoires wie matrosenmützen, hüte und hosenträger auszumachen. Gerade kommt ein kerl in einer knallroten strumpfhose hereinspaziert. 

Auf eine Wand werden per beamer alte musikvideos und konzertaufnahmen, besonders aus den 60ern und 70ern projiziert. Ununterbrochen laufen sachen wie led zeppelin, joe cocker oder ac/dc.. eine zeitreise in eine ära, die mich musikalisch unglaublich prägt und erfüllt. Ist man früher da, gibt’s auch livemusik auf der kleinen bühne gleich neben dem eingang, oder amok alex mit seinem amerikanischen slang, veranstaltet ein musik-quiz bei dem auch schonmal ein schnäppschen gewonnen wird. Allerdings auch in gesellschaft einer horde musiker, auf kneipentour nach ihrem eigenen gig.

Sitzt man dort mit gepanschter bierplörre bei genialer musik, einfach teil eines verrückten haufen von menschen,  offenbart sich eine vielfalt der stimmungen um einen herum. Es wird lautstark geschnackt und nebenan bereits selig geschlummert. ein paar tanzen völlig wild und ausladend während der nächste in sich selbst versunken, ob eines pete townshend solos glücklich vor sich hinlächelt.

Besonders in den morgenstunden heisst es ,bei nem männeranteil von 80% oder mehr: auf lustige und verschrobene anmachen gefasst sein. Wenn sich nicht schon die leute vom nachbartisch zwischendurch auffällig zu den mädels gesellen, werden spätestens auf dem weg zum klo, auf dem man sich durch die gesamte menge schlängeln muss, meist nette, manchmal auch konfuse sprüche gerissen (Wie etwa „bist du krankenschwester?“ oder „besorg der frau doch mal n bier!“) Zwischendurch landet man noch sandwich-style zwischen einem tanzenden pärchen und schlüpft hoffend zwischen dartscheibe und ausholendem dart-spieler hindurch. Ein bischen schön ist es dann schon wenn man auf dem weg zurück  den derb- charmanten blonden köllner wiedertrifft mit dem es zuvor schon ein pläuschchen vor der tür gab, und dieser einen an die hand nimmt und einen weg quer durch den überfüllten laden bahnt.

Unter all den kurzen begegnungen und oft sinnfreien smalltalks gibt’s auch immer mal echt nette gespräche, etwa wenn man feststellt, dass beide die gleichen dark jazz und doom bands hören, die sonst NIEMAND auf der welt kennt.

Wahnsinn. Jeglicher sinn für zeit fehlt. es ist schon morgen. Die magische flowerpower zeit. Diese andere welt, dieses dunkle realitätsferne loch spuckt einen wieder aus auf die strasse, in den hellichten tag, mit lachflashes und angesenkten wimpern, blauen flecken oder per taschenmesser gekappten schnürsenkeln. Es ist neun uhr morgens. Erstmal zum bäcker und schweineöhrchen essen.

Montag, 9. April 2012

anonyme glückseligkeit

einfach mal raus und etwas machen, was man schon ewig vorhatte.
rucksack packen und in den zug nach prag setzen. mal wieder weltluft schnappen. fremde währung, fremde sprache, allein sein, sich einfach durch eine wundervolle stadt treiben lassen..
an der moldau entlangschlendern und in der sonne sitzen; im 20er- jahre lucerna kino versuchen sich auf den film zu konzentrieren..dank tilda swinton durchaus möglich.im cafe des Obecni Dum bei livemusik lesen und heisse schoki und die wiener kaffeehaus- atmosphäre genießen (hier wird im cafe tatsächlich noch geraucht und zeitung gelesen!)



bis in die nacht im lounge-igen reduta jazzclub chillen. schon viele bekannte jazzer haben dort gespielt und einmal soll sich bill clinton mit seinem sax unter die jammer begeben haben;

u-bahn und tram fahren. menschen beobachten. den puls der stadt aufsaugen.
schlendern durch die andächtigen hallen der nationalgalerie.
böhmisches gulasch mit knödeln und schwarzbier.
frischgebackener kuchen und nette australier im hostel direkt in der melantrichova.
zufällig eine katholische messe besuchen.


in den gassen surrt das leben
auf den plätzen stehen sie, reden,
feiern, schauen, lachen, eilen
dieser zirkus lässt verweilen

umgeben von schönheit, von architektur
sitz ich hier auf fremder flur
im herzen des wahnsinns der kultur

in anonymer glückseligkeit
erfreut mich der städter verbundenheit
denn sind wir auch fremde und macht jeder seins
so sind wir am ende doch alle eins


mit dem bummelzug durch tschechien. ein tag im kleinen mittelalterlichen kutna hora. in seinem beinhaus hat man nett mit menschenknochen dekoriert. weiche knie machte mir allerdings eher der von ewan mcgregor begangene boden. shame on me ;)
nach dieser spontanflucht in die urbane einsamkeit und einem darauffolgenden anhaltenden wunsch nach zurückgezogenheit stellt sich mir einmal mehr die frage, ob ich eine menschenscheue einsame wölfin bin die einfach gelernt hat ab und an sozial zu sein, oder aber mal ein durchaus extrovertiertes mädchen war, welches sich gebrochen und enttäuscht zurückzog und sich fortan allein am wohlsten fühlte? es ist wohl eine mischung..

Freitag, 6. April 2012

abgeschlossen

1.4.- das war er, der erste tag als nicht-studentin. So viel ändert sich erstmal nicht. Und gross anders fühlen tu ich mich auch nicht. Nagut, die mensa werd ich vermissen und hier und dort eine ermässigung.. aber seien wir mal ehrlich, am institut war ich schon seit gefühlten jahren nicht mehr regelmässig. In die bibltiothek werd ich mich einfach weiterhin schleichen.. weils so schön ist :)

alles in allem also ein eher fließender übergang vom studien- zum arbeitsalltag. und schließlich ist diese phase des geldverdienens zeitlich absehbar, denn ab herbst möcht ich auf jeden fall noch einen master dranhängen.

Meine bachelorarbeit hat den prüfern übrigens ganz gut gefallen und darüber hinaus hat sie auch in den kreisen der stadtplanung und –erneuerung der stadt leipzig interesse gefunden. Das amt für statistik und wahlen will meine ergebnisse sogar auf 6 seiten ihres nächsten quartalsberichtes veröffentlichen! Whohoo, wie genial, dass ich mich nicht nur für den aktenschrank im keller der uni abgemüht habe, zumal das thema ja durchaus auch ein herzensanliegen ist.

Dienstag, 20. März 2012

einsichten

ein kopf so dick wie dieser hier
verbohrt, verblendet, schier
auf sich bezogen, unbelehrbar
derweilen sogar unumkehrbar
verlangt nach einem meister der
trotz weisheit und geduld'gem wesen
dem sprössling kann leviten lesen
und beizeiten sich nicht scheut
ihm eins zu scheppern das es bleut

doch einsicht lässt sich nicht erzwingen
solch wunder kann nur die zeit vollbringen

Sonntag, 27. November 2011

eine bachelorarbeit über ein etwas anderes leben

offene haustüren, bröckelnder putz, sofas im treppenhaus, farben aus einer anderen zeit, es riecht nacht holz und kohle und kuscheliger ofenwärme, schlüssel werden an kleinen fallschirmen aus dem fenster geworfen...und die menschen haben noch zeit. für einen tee, eine wohnungsführung, einen kuchen, eine zigarette,ein interview mit einer studentin, die ganz plötzlich vor ihrer tür steht!
Inga ist auf tour um unsanierte häuser und deren bewohner aufzuspüren und für ihre bachelorarbeit zu befragen. Das thema lautet "Wohnen im unsanierten und teilsanierten Baubestand in Leipzig - notwendiges Übel oder bewusst gewählter Lebensstil?"
Denn es gibt sie tatsächlich noch, die menschen die täglich Kohle und Holz aus dem keller heraufschleppen, zur toilette aus der wohnung heraus ins treppenhaus müssen und ihre badewanne oder dusche in der küche stehen haben.
man kann sich schon vorstellen das dies oft sehr abgefahrene und inspirierende gestalten sind! nicht selten saß ich malern, schauspielern, musikern und lebenskünstlern gegenüber die mich so faszinierten, das ich gerne ein bisschen länger blieb.. aber auch die rentner, die jungen schleußiger hipster- familien und chaoten-wgs, alle hatten ihre geschichten zu erzählen, und wenn nich sie dann auf jedenfall ihre wohnungen. oft in eigenarbeit saniert und kreativ gestaltet oder einfach nur charmant heruntergekommen. was für ein privileg einfach in anderer leute leben schauen zu dürfen! und erstaunlich wie offen die meisten menschen waren vor deren tür ich einfach auftauchte.
gestern habe ich das letzte (das 55ste) interview geführt, und dieses hat nochmal einiges getoppt. ich war nicht nur stunden dort, sondern habe auch noch ne kiste mit schönen und nützlichen haushaltsgegenständen mitnehmen dürfen, und gelernt: ein leben in dem tauschhandel und nächstenliebe radikal praktiziert werden ist auch in unserer kapitalistischen gesellschaft durchaus möglich!!
und mit all diesen schönen eindrücken und bildern der wohnungen vor augen überkommt mich ein gefühl der reue, der verpassten chancen. denn in welcher deutschen stadt kann man noch so gut unsaniert und ursprünglich in echten hausgemeinschaften leben.. für 2, 20 pro m²..!!? und ich bin schon über 4 jahre hier und habe meine chance nicht genutzt.
der wandel verläuft immer rapider. ein haus nach dem anderen wird totsaniert ( allein um mein haus herum werden grad 3 leerstehende nachbarhäuser saniert) und bald wird es auch in leipzig alternative lebensformen wie diese kaum noch geben! das es für solche immobilien durchaus eine nachfrage auf dem markt gibt, scheint viele eigentümer nicht zu kümmern.. mal wieder regiert das geld und nicht das wohlbefinden der jeweiligen mieter!
im folgenden ein paar bilder die leider kaum die wirkliche atmosphäre und die vergessenen farben widerzuspiegeln vermögen.












Sonntag, 28. August 2011

der kreis des lebens

so oft fehlt der blick fürs ganze. ich sitze in meiner kleinen eigenen welt, entscheide nach spontanem belieben, schaue bis morgen oder vielleicht mal bis übermorgen. werde zwar älter, aber meine dennoch mein ganzes leben noch vor mir zu haben. geburt, tod, ewigkeit sind vor allem worte.
ein neues gefühl für die endlichkeit und schönheit dieses lebens, bekam ich letzte woche am grab meiner oma. ein gesegnetes leben in gottes gegenwart nahm friedlich sein ende. und gleich neben dem offenen grab wurde ein junges paar zum nachwuchs (also einem urenkel meiner oma) beglückwünscht. wo ein leben endet, beginnt das nächste.
keine 24-stunden später war ich am anderen ende deutschlands teil eines weiteren lebensprägenden und -spendenden moments: eine wunderschöne hochzeit.
all dies hat mich mit viel nachdenklichkeit und auch unglaublicher herzens- und zukunftsfreude erfüllt. und ich wage den gedanklichen sprung in die zukunft, und frage mich: was wird bleiben? was macht mich und mein leben aus? was werden menschen, die meine wege kreuzen mitnehmen?
das fiktive zurückschauen lohnt sich. es verändert den blick aufs hier und jetzt.